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Erlkönig mal ganz anders

Es gab ein Gespräch zwischen Vater und Sohn
Das ging um Geschichte und Revolution
Um globale Herrschaft der Milliardäre
Und was daran zu verändern wäre

Mein Vater, ich hab in den Büchern gelesen
Dass die Gleichheit einst Menschenrecht sei gewesen
Von Freiheit und Brüderlichkeit ward geschrieben
Ich frage dich: Ist es dabei geblieben?

In Frankreich, mein Sohn, gab es Revolution
Vor mehr als zweihundert Jahren schon
Heut beherrschen zwei Dutzend Milliardäre
Die Welt als ob es die ihre wäre.

Aber Vater, es hat in der Zeitung gestanden
Dass wir die Demokratie erfanden
Und mehrheitlich selbst darüber entscheiden
Was wir machen wollen und was wir vermeiden

Mein Sohn, die Menschheit wird leider regiert
Von Volksvertretern, die korrumpiert
Und abhängig sind von den wenigen Reichen
Um denen zu dienen, gehn sie auch über Leichen

Aber Vater, siehst du und hörst du denn nicht
Was uns Zeitung und Fernsehen täglich verspricht?
Mein Sohn, wir werden täglich belogen
Um Freiheit und Gleichheit schändlich betrogen

Auch die Medien brauchen ja die Millionen
Mit denen die Reichen die Werbung belohnen
Und Nachrichten werden manipuliert
Auch die Volksverdummung wird finanziert

Und Vater, was ist denn mit unsern Gesetzen
Die können die Reichen doch nicht verletzen
Die Gesetze, mein Sohn, werden so gemacht
Dass jeder Reiche darüber lacht

Ihr Vermögen wächst täglich ganz ungeheuer
Und es gibt nicht einmal die Vermögenssteuer
Sie verstecken Profite und fälschen Bilanzen
Und bringen die Parlamente zum Tanzen

Die Reichen kennen korrupte Leute
Die ihnen verhelfen zu ihrer Beute
Was eigentlich allen Menschen gehört
Privatisieren sie ungestört

Ich verstehe nicht, Vater, wir sind doch so viele
Wir haben doch alle Verstand und Gefühle
Warum lassen wir uns denn alles gefallen?
Da müssen wir doch die Fäuste ballen

Sehr richtig, mein Sohn, die Menschheit muss handeln
Wir müssen uns alle in Kämpfer verwandeln
Wir haben von Revolution nur geträumt
Als die Situation kam, haben wir sie versäumt

Uns reicht jetzt die Herrschaft der Milliardäre
Als ob die Welt nur die ihre wäre
Er wird kommen, der Tag der Revolution
Den nötigen Zorn, den haben wir schon

Und einmal kommt die Generation
Die das alles beendet mit Revolution
Und dann beginnt eine neue Zeit
Mit Freiheit und Gleichheit und Brüderlichkeit

Von Heinrich Hannover in „Ossietzky Nr. 25/2017