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Genosse Noske im Auftrage des Prinzen Max von Baden bei den aufständischen Matrosen in Kiel

„Aufruf des Soldatenrates Kiel von Anfang November 1918 mit den 14 Forderungen der aufständischen Matrosen

Kameraden! Der gestrige Tag wird in der Geschichte Deutschland ewig denkwürdig sein. Zum ersten Male ist die politische Macht in die Hände der Soldaten gelegt. Ein Zurück gibt es nicht mehr! Große Aufgaben liegen vor uns. Aber damit sie erfüllt werden können, ist Einigkeit und Geschlossenheit der Bewegung notwendig. Ihr habt einen Soldatenrat eingesetzt, der einmütig mit dem Arbeiterrat handelt. Folgt seinen Anweisungen und Beschlüssen, sorgt für Ruhe und Ordnung in den Kasernen.

Die in später Abendstunde beim Generalgouvernement unter Beisein des sozialdemokratischen Abgeordneten Noske und des Staatssekretärs Haußmann erreichten Erfolge sind:

 1.  Haußmann nimmt unsere Forderungen an und verspricht beschleunigte Durchsetzung bei der Regierung.
 2.  Sofortiges Abbrechen sämtlicher gegen unsere Bewegung gerichteten militärischen Maßnahmen
 3.  Hinwirken zum Einlaufen der Flotte.
 4.  Unter Mitwirkung des Arbeiterrates werden dem Soldatenrat die Akten der noch in Haft Befindlichen vorgelegt, um über deren Feilassung, mit Ausnahme der wegen unehrenhafter Handlungen Verurteilten, zu entscheiden.

Zur Ergänzung des Aktionsausschusses sind die Genossen Haase und Ledebour telegraphisch hierhergerufen worden. Kameraden, vertraut und stützt euch auf euren Soldatenrat!

Die vom Soldatenrat gestellten und vom Gouverneur angenommenen 14 Punkte lauten:

 1.  Freilassung sämtlicher Inhaftierten und politischen Gefangenen.
 2.  Vollständige Rede- und Pressefreiheit.
 3.  Aufhebung der Briefzensur.
 4.  Sachgemäße Behandlung der Mannschaften durch Vorgesetzte.
 5.  Straffreie Rückkehr sämtlicher Kameraden an Bord und in die Kasernen.
 6.  Die Ausfahrt der Flotte hat unter allen Umständen zu unterbleiben.
 7.  Jegliche Schutzmaßnahmen mit Blutvergießen haben zu unterbleiben.
 8.  Zurückziehung sämtlicher nicht zur Garnison gehöriger Truppen.
 9.  Alle Maßnahmen zum Schutze des Privateigentums werden sofort vom Soldatenrat festgesetzt.
10.  Es gibt außer Dienst keine Vorgesetzten mehr.
11.  Unbeschränkte persönliche Freiheit jedes Mannes von Beendigung des Dienstes bis zum Beginn des nächsten Dienstes.
12.  Offiziere, die sich mit den Maßnahmen des jetzt bestehenden Soldatenrates einverstanden erklären, begrüßen wir in unserer Mitte. Alles übrige hat ohne Anspruch auf Versorgung den Dienst zu quittieren.
13.  Jeder Angehörige des Soldatenrates ist von jeglichem Dienst zu befreien.
14.  Sämtliche in Zukunft zu treffenden Maßnahmen sind nur mit Zustimmung des Soldatenrates zu treffen.

Diese Forderungen sind für jede Militärperson Befehle des Soldatenrates.

Der Soldatenrat“


Quelle:  Eberhard Buchner, „Revolutionsdokumente“, Erster Bd., „Im Zeichen der roten Fahne“, Berlin 1921, S. 41/42.

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