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Streikdemo am 4. Nov. 1918 in Stuttgart: 13 revolutionäre Forderungen

„Revolutionäre Forderungen des Arbeiter- und Soldatenrates Stuttgart vom 4. November 1918*

 1.  Sofortiger Waffenstillstand und Abschluß des Friedens durch den Arbeiter- und Soldatenrat.
 2.  Abdankung aller Dynastien, einschl. Wilhelm II. von Württemberg.
 3.  Auflösung des Landtags und des Reichstags. Die Regierungen übernehmen sofort zu wählende Delegierte der Arbeiter, Soldaten, Kleinbauern und der Landarbeiter.
 4.  Sofortige und vollständige Aufhebung des Belagerungszustandes; Aufhebung jeder Zensur, volle Pressefreiheit; Aufhebung des Hilfdienstgesetzes.
 5.  Sofortige Freilassung aller politisch Inhaftierten und aller Militärgefangenen ohne Ausnahme in Württemberg und im Reich.
 6.  Banken und Industrien sind zugunsten des Proletariats zu enteignen.
 7.  Annullierung der Kriegsanleihen von 1000 Mark aufwärts.
 8.  Siebenstündige Arbeitszeit; Festsetzung von Mindeslöhnen durch die Arbeiterausschüsse. Gleiche Löhne für männliche und weibliche Arbeiter.
 9.  Streiktage sind voll zu zahlen.
10.  Durchgreifende Umgestaltung des Heereswesens, nämlich
 a)  Verleihung des Vereins- und Versammlungsrechts an die Soldaten in dienstlichen und außerdienstlichen Angelegenheiten;
 b)  Aufhebung des Disziplinstrafrechts der Vorgesetzten; die Disziplin wird durch Soldatendelegierte aufrechterhalten;
 c)  Abschaffung der Kriegsgerichte;
 d)  Entfernung von Vorgesetzten auf Mehrheitsbeschluß der ihnen Untergebenen hin.
12.  Abschaffung der Todesstrafe und der Zuchthausstrafe für politische und militärische Vergehen.
13.  Übergabe der Lebensmittelverteilung an Vertrauensleute der Arbeiter.

Der Soldatenrat“


* Auf Initiative der Spartakusgruppe trat die Arbeitergemeinschaft der Stuttgarter Großbetriebe am 4. November 1918 in den Generalstreik. 30 000 Arbeiter demonstrierten zum Schloßplatz, wo die Spartakusgruppe eine Kundgebung organisiert hatte, auf der die 13 Forderungen einstimmig angenommen wurden. Mittags konstituierte sich aus Vertretern der Betriebe ein Arbeiterrat, der die Soldaten auffordert, Delegierte zu wählen, die dem Arbeiterrat angeschlossen werden sollten. Auf einer erneuten Kundgebung am Nachmittag an der 40 000 Arbeiter und Soldaten teilnahmen, wurde der Arbeiterrat beauftragt, die Verwirklichung der 13 Forderungen zu organsieren.

Quelle:  „Die rote Fahne“, Mitteilungsblatt des Stuttgarter Arbeiter- und Soldatenrates, Zentralorgan sämtlicher Arbeiter- und Soldatenräte Württembergs, Stuttgart Nr. 1 vom 5. November 1918

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