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Keine Forderung erfüllt – Streik beendet

„Die nächste und letzte illegal durchgeführte Versammlung der Arbeiter der Knorr-Bremse fand am 2. Februar im Wald bei Sadowa statt, dem heutigen Bahnhof Wuhlheide. Dort gab es keine Störungen, und der referierende Kollege Gause gab in sehr temperamentvoller Weise einen Bericht über den Verlauf des Streiks, gab den Beschluß über den Abbruch des Streiks bekannt, aber feuerte die Kollegen an, den Kampf gegen Krieg und Militarismus unermüdlich weiterzuführen bis zum endgültigen Sieg der Arbeiterklasse.
Zum Schluß teilte der Redner mit, daß im Betrieb ein Anschlag herausgekommen sei, in dem die Belegschaft bei Androhung von strengsten militärischen Maßnahmen aufgefordert wurde, am Montag, dem 4. Februar 1918, die Arbeit wieder aufzunehmen.
Gleichsam als eine letzte Kampfdemonstration schlug der Kollege vor, dieser Aufforderung nicht am Montag, sondern erst am Dienstag, dem 5. Februar, nachzukommen. Es zeugte von dem ungebrochenen Kampfwillen der Kollegen der Knorr-Bremse, daß dieser Vorschlag allgemeine Zustimmung fand.
Zehntausende Berliner Kollegen, darunter auch nicht wenige der Knorr-Bremse, bekamen bald die Rache des preußischen Militarismus zu spüren, der sie in den Schützengraben schickte oder in die Gefängnisse warf, womit allerdings ein jeder von uns gerechnet hatte.“

Willi Hünecke, „Für die Macht der Räte“ in „Berliner Leben 1914 bis 1918“, Dieter und Ruth Glazer, Berlin 1963

 

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