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Revolution – die Zeit wird knapp!

„Auf dem Wege zum Reichstag wurde Däumig verhaftet, der sämtliche Pläne und das Material für den Aufstand in seiner Aktentasche bei sich hatte. Luise Zietz, die sich in seiner Begleitung befand, war es gelungen, der Verhaftung zu entgehen, so daß wir durch sie davon Nachricht erhielten. Diese Situationen stellte natürlich den Ausschuß vor die entscheidende Frage, ob noch länger mit dem Aufruf an die Betriebe zum Aufstand gezögert werde könne. Es kam außerdem die Nachricht, daß auch Emil Barth verhaftet sei. Da Genosse Liebknecht ebenfalls nicht anwesend war, so mußte auch bei ihm mit dieser Möglichkeit gerechnet werden. Glücklicherweise traf das auf beide nicht zu. Der Vollzugsausschuß und auch die anwesenden Parteivorstandsmitglieder der USPD entschlossen sich nunmehr, sofort Kurier in die Betriebe zu entsenden, um die Arbeiter zum bewaffneten Aufstand am nächsten Tage zu veranlassen, und zwar mit der Parole: Sturz der Regierung, sozialistische Republik! In einem kurzgehaltenen Flugblatt mit Namensunterschriften sollten die Arbeiter zur Aktion aufgefordert werden. Hofer vom Parteivorstand der USPD lehnte seine Unterschrift ab. Er wollte überhaupt nicht die USPD für den Aufruf verantwortlich gemacht wissen, denn wenn der Schlag misslinge, sie die Partei verloren. Haase war nicht zugegen, weil er nach Hamburg und Kiel gefahren war. Infolge dieses Einspruchs von Hofer wurden unter das Flugblatt nur die Namen von zehn Mitgliedern des Vollzugsausschusses gesetzt: Liebknecht, Pieck, Haase, Ledebour, Brühl, Franke, Eckert, Wegemann, Neuendorf und Barth.
Zur gleichen Zeit war auch von den Genossen Liebknecht und Ernst Meyer, die beide den Anschluß an unsere Sitzung verpasst hatten, ein Flugblatt der Spartakusgruppe herausgegeben worden, das eine Reihe der nächsten Ziele der Aktion enthielt: Freilassung aller Zivil- und militärischen Gefangenen; Aufhebung aller Einzelstaaten und Dynastien; Wahl von Arbeiter- und Soldatenräten; Aufnahme der Beziehungen zu den übrigen Arbeiter- und Soldatenräten; Übernahme der Regierung durch die Beauftragten der Arbeiter- und Soldatenräte; sofortige Verbindung mit dem internationalen Proletariat, insbesondere mit der russischen Arbeiterrepublik.“

„Wilhelm Pieck Erinnerungen“ in „Berliner Leben 1914 bis 1918“, Dieter und Ruth Glazer, Berlin 1963

 

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